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International Classification of Functioning, Disability and Health - Recreational Activities of Daily Living-Skala

 PSYNDEX Tests-Dokument: 9007618
 

RADL-ICF-Skala - International Classification of Functioning, Disability and Health - Recreational Activities of Daily Living-Skala (PSYNDEX Tests Abstract)

 

International Classification of Functioning, Disability and Health - Recreational Activities of Daily Living Scale/journal
Synonym(e): Checklist of Recreational Activities of Daily Living; Freizeitcheckliste; ICF-RADL-37-Skala; RADL Check List

 Linden, M.
 (2017). Regeneration orientation is better than resistence orientation in behavior activation. Results from an intervention study with psychosomatic patients. Psychiatria Danubina, 29 (2), 201-206.

Online im Internet: https://www.testarchiv.eu/

 Bezugsquelle: Das Verfahren ist im "Elektronischen Testarchiv" des ZPID enthalten und steht unter der Creative Commons-Lizenz "Namensnennung - Nicht-kommerziell - Keine Bearbeitung 4.0 International (CC BY-NC-ND 4.0)" ; es kann für nichtkommerzielle Forschungs- und Unterrichtszwecke kostenlos eingesetzt werden. ; URL: https://www.testarchiv.eu/ ; Stand: 1.11.2018.
 Adresse(n): o Prof. Dr. Michael Linden, Leiter der Forschungsgruppe Psychosomatische Rehabilitation, Rehabilitationszentrum Seehof der Deutschen Rentenversicherung, Lichterfelder Allee 55, D-14513 Teltow ; E-Mail: michael.linden@charite.de ; URL: http://fpr.charite.de/kontakt/ ; Stand: 12.7.2017
 

Abstract

Diagnostische Zielsetzung:
Die RADL-ICF-Skala erfasst das Spektrum und den Umfang nicht beruflicher und rekreativer Freizeitaktivitäten (Otto & Linden, 2017). Sie kann im klinischen Kontext wie auch für Forschungsvorhaben eingesetzt werden. Die RADL-ICF-Skala kann Änderungen im Aktivitätsniveau im Verlauf einer Therapie erfassen.


Aufbau:
Die RADL-ICF-Skala gibt es in drei Versionen:
(1) Die RADL-ICF-37-A-Skala hat 37 Items und dient der Erfassung des aktuellen Aktivitätsniveaus. Die Aktivitäten lassen sich in fünf Oberkategorien zusammenfassen: (1) Kulturelle Aktivitäten (9 Items; z. B. Ausflüge/Reisen), (2) Hobbys (7 Items; z. B. Fotografieren), (3) Soziale Aktivitäten (6 Items, z. B. Freunde treffen), (4) Körperliche Aktivitäten (10 Items, z. B. Schwimmen) und (5) Häusliche Aktivitäten (5 Items, z. B. Kochen). Es wird zunächst je Aktivität erfragt, ob sie schon einmal ausgeübt wurde (a. Früher einmal ja; b. früher einmal nein). Es wird dann nach der Aktivitätsausübung in den letzten 12 Monaten gefragt (In den letzten 12 Monaten: "0 = nie", "1 = jährlich", "2 = monatlich", "3 = wöchentlich", "4 = täglich"). Dann wird gefragt, ob die Aktivität positiv erlebt wird ("Das mache ich grundsätzlich gerne": "0 = nein", "1 = kaum", "2 = etwas", "3 = sehr", "4 = ganz besonders").

(2) Die RADL-ICF-37-E-Skala hat dieselben 37 Items und dient der Erfassung von Aktivitätsänderungen unter Therapie. Es wird zunächst erhoben, wie oft die Aktivität während der Therapiephase, z. B. einem stationären Aufenthalt, durchgeführt wurde ("Habe ich während der Therapie gemacht": 0 - 1x - 2x - 3x - >3). Es wird dann gefragt, ob die Aktivität Spaß gemacht hat ("Spaß gemacht": 0 = nein, 1 = kaum, 2 = etwas, 3 = sehr, 4 = ganz besonders). Zuletzt wird gefragt, ob der Proband plant, die Aktivität in den nächsten zwölf Monaten auszuüben ("Plane ich zu machen": 0 = nie, 1 = jährlich, 2 = monatlich, 3 = wöchentlich, 4 = täglich).

(3) Es wurden im Weiteren umfangreiche Erfahrungen im klinischen Routineeinsatz gesammelt. Im Ergebnis wurde eine weitere Itemreduktion auf 20 Items (RADL-ICF-20-Skala) und vier Oberkategorien vorgenommen. Es wurde auf eine zu detaillierte Itemgliederung verzichtet und es wurden sinnvolle Komplexkategorien vorgegeben (statt einzelner Items für Kino, Theater, Museum nur noch "Kino-, Theater-, Kunst- und Kulturveranstaltungen"). Die RADL-ICF-20 Skala fragt zunächst, ob eine Aktivität Spaß macht (Eine solche Aktivität mag ich: "0 = nein", "1 = kaum", "2 = etwas", "3 = sehr", "4 = ganz besonders"). Dann wird gefragt, wie oft diese Aktivität in den letzten zwölf Monaten durchgeführt wurde ("0 = nie", "1 = jährlich", "2 = monatlich", "3 = wöchentlich", "4 = täglich"). Zum Dritten wird danach gefragt, ob der Proband plant, die Aktivität in den nächsten zwölf Monaten auszuüben ("Plane ich zu machen": 0 = nie, 1 = jährlich, 2 = monatlich, 3 = wöchentlich, 4 = täglich).

Auswertung: Es können jeweils für die Gesamtskala wie auch die Subskalen Mittelwerte errechnet werden über die Häufigkeit der früheren, aktuellen oder zukünftigen Aktivitäten bzw. über den Grad der positiven Anregung durch die Aktivitäten.


Grundlagen und Konstruktion:
Erkrankungen führen nach dem bio-psycho-sozialen Modell der Internationalen Klassifikation der Funktionsfähigkeit, Behinderung und Gesundheit (ICF; WHO, 2001) nicht nur zu Beschwerden und Symptomen (= Funktionsstörungen nach ICF), sondern auch zu Beeinträchtigungen in der Ausübung von Tagesaktivitäten bzw. im täglichen Leben (= Beeinträchtigungen von Aktivität und Partizipation nach ICF). Aktivitätseinschränkungen spielen eine Schlüsselrolle hinsichtlich der funktionalen Gesundheit. Eine Aktivität ist eine Handlung (Aktionen), die eine Person in ihrer gegenwärtigen Umwelt ausübt. Aus klinischer Sicht wird unterschieden zwischen "Aktivitäten des täglichen Lebens" (Activities of Daily Living, ADL), "Intentionalen Aktivitäten des täglichen Lebens" (Intentional Activities of Daily Living, IADL) und "Rekreativen Aktivitäten des täglichen Lebens" (Recreative Activities of Daily Living, RADL).
Die Bereiche der ADL und IADL sind bei Demenzerkrankungen oder schweren somatischen Beeinträchtigungen von Bedeutung. Die RADL ist von Relevanz bei Depressionen, Angstzuständen oder anderen neurotischen Störungen (Linden, Gehrke & Geiselmann, 2009). RADL haben im Vergleich zu ADL und IADL vergleichsweise weniger wissenschaftliche und therapeutische Aufmerksamkeit gefunden (Viehhauser, 2000). Für ADL und IADL gibt es klare Normerwartungen, da es selbstverständlich ist, dass jeder Mensch alltägliche Basisaktivitäten erbringt, wie sich waschen, anziehen oder auch Hausarbeit erledigen. Bzgl. der RADL bedarf es einer "Kontextadjustierung", da es keine festen Normen gibt, wie viel Freizeit- oder Berufsaktivitäten ein Mensch ausüben kann oder muss.
Die RADL-ICF-Skala wurde in Anlehnung an die NPI Interest Check List (Klyczek, Bauer-Yox & Fiedler, 1997; Matsutsuyu, 1969; Rogers, Weinstein & Figone, 1978) und die Pleasant Event Scale von Lewinsohn und Libet (1972) entwickelt. Eine Vorversion aus 66 Items wurde an n = 154 stationären Patienten mit psychischen Störungen (23.4% affektive Störung, 60.4% Angst und andere neurotische Störungen) aus einer Abteilung für Verhaltensmedizin untersucht. Es zeigten sich erwartungsgemäße Geschlechterunterschiede bzgl. häuslicher oder handwerklicher Aktivitäten. Es wurden keine Unterschiede im Hinblick auf Alter (18-60 Jahre), Krankheitstage, Arbeitslosigkeit oder Befundstatus gefunden (Linden et al., 2009). Es erfolgte eine Itemreduktion auf 37 Items (Otto & Linden, 2017).


Empirische Prüfung und Gütekriterien:
Reliabilität: Zur Reliabilität gibt es keine Angaben.
Validität: Die Items der ICF-RADL-Skala entsprechen den Kategorien der ICF und können daher als valide angesehen werden. Für jedes Item wird die Kategorie-Nummer aus der ICF genannt. Für die Validität der RADL-ICF-Skala sprechen auch die vorgenannten empirischen Ergebnisse.
Normen: Es wurde keine Normierung durchgeführt. Eine Referenztabelle (siehe Link) zeigt die prozentualen Häufigkeiten der einzelnen Aktivitäten, wie sie von 96 Patienten einer psychosomatischen Rehabilitationsklinik bei Aufnahme und bei Entlassung angegeben wurden. Es werden zudem für jede Subskala Mittelwerte und Standardabweichungen berichtet, die sich auch in Tabelle 2 befinden.

Tabelle 2
Mittelwerte (M) und Standardabweichungen (SD) der RADL-ICF-Skala

---------------------------------------------------------------------- 
Aktivitaet 1 2 3 4
M (SD) M (SD) M (SD) M (SD)
----------------------------------------------------------------------
Kulturelle Aktivitaeten 2.0 (0.5) 1.8 (0.6) 1.9 (0.7) 2.2 (0.5)
Hobbies 0.8 (0.5) 1.5 (0.6) 1.5 (0.6) 1.3 (0.6)
Soziale Aktivitaeten 1.4 (0.7) 0.9 (0.5) 1.6 (0.9) 1.8 (0.6)
Koerperl. Aktivitaeten 1.2 (0.6) 1.9 (0.7) 1.8 (0.7) 1.9 (0.6)
Haeusliche Aktivitaeten 2.4 (0.8) 1.1 (0.7) 1.3 (0.8) 2.5 (0.8)
----------------------------------------------------------------------
Anmerkungen. Die Werte beziehen zwischen auf die Antwortskala: 1 = In den letzten 12 Monaten (0 - 1 - 2 - 3 - 4), 2 = Habe ich während der Therapie gemacht (0 - 1x - 2x - 3x - >3), 3 = Das hat mir Spaß gemacht (0 - 1 - 2 - 3 - 4), 4 = Plane ich in Zukunft zu machen (0 - 1 - 2 - 3 - 4). Koerperl. = Körperliche.
 

Alle Items

Die RADL-ICF-Skala erfasst den Art und Umfang nicht-beruflicher und rekreativer Freizeitaktivitäten. Die RADL-ICF-Skala kann zur Planung wie auch zur Verlaufserfassung einer Therapie eingesetzt werden. Die einzelnen Aktivitäten lassen sich in fünf Kategorien zusammenfassen (siehe Tabelle 1).

Tabelle 1
Items und Subkategorien der RADL-ICF-37-Skala (Otto & Linden, 2017)
-------------------------------------------------- 
Kategorie Items
--------------------------------------------------
Kulturelle Aktivitaeten Theater/Konzerte
Kino
Museum
Ausflüge/Reisen
Lernen: VHS, Sprache
Fernsehen/DVD
Musik hören
Computer
Lesen
--------------------------------------------------
Hobbys Musizieren
Basteln, Handarbeiten
Handwerkliche Arbeit
Modellbau
Fotografieren
Malen/Zeichnen
Rätseln/Sudoku
--------------------------------------------------
Soziale Aktivitaeten Feiern
Freunde treffen
Familienaktivitäten
Vereine, Klubs
ehrenamtliche Tätigkeit
Gesellschaftsspiele
--------------------------------------------------
Koerperliche Aktivitaeten Schwimmen
Radfahren
Laufen/Joggen
Tanzen
Wandern
Fitnessstudio/Sportkurse
Spazierengehen
Yoga, PMR, Meditieren
Sauna
Bummeln gehen
--------------------------------------------------
Haeusliche Aktivitaeten Garten/Balkonpflanzen
um Tiere kümmern
Einkaufen
Kochen
Putzen, Bügeln
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Altersbereiche

Die RADL-ICF-Skala erfasst Freizeitaktivitäten erwachsener Menschen, bevorzugt unter den Lebensbedingungen in Industrienationen.
 

Durchführungszeit

Die Durchführung benötigt etwa 10 Minuten.
 

Bewertung

Mit der RADL-ICF-Skala liegt ein Verfahren vor, das den wesentlich zur psychischen und körperlichen Gesundheit beitragenden Aspekt der nicht-beruflichen, rekreativen und Freizeitaktivitäten erfasst. Die fünf Oberkategorien erlauben eine zusammenfassende fünfdimensionale Beschreibung. Es besteht ein direkter Bezug zum Kapitel "Aktivität und Partizipation" der ICF. Linden und Gehrke (2013) konnten zeigen, dass eine gezielte Förderung rekreativer Aktivitäten und ein Aktivitätsaufbau durch die Therapie den Patienten dabei unterstützen, seine eigenen Bedürfnisse sowie die Wichtigkeit und Wirksamkeit solcher Aktivitäten wahrzunehmen und den Transfer in den Alltag zu ermöglichen.
 

Literatur

  • Klyczek, J. P., Bauer-Yox, N. & Fiedler, R. C. (1997). The Interest Checklist: A factor analysis. American Journal of Occupational Therapy, 51 (10), 815-823.
  • Lewinsohn, P. M. & Libet, J. (1972). Pleasant events, activity schedules, and depressions. Journal of Abnormal Psychology, 79 (3), 291-295.
  • Linden, M. & Gehrke, G. (2013). Therapieziele und Therapieoptionen einer verhaltenstherapeutisch orientierten Ergotherapie. Verhaltenstherapie, 23 (1), 6-11. https://doi.org.10.1159/000348596
  • Linden, M., Gehrke, G. & Geiselmann, B. (2009). Profiles of recreational activities of daily living (RADL) in patients with mental disorders. Psychiatria Danubina, 21 (4), 490-496.
  • Matsutsuyu, J. S. (1969). The Interest Check List. The American Journal of Occupational Therapy, 23 (4), 323-328.
  • Otto, J. & Linden, M. (2017). Regeneration orientation is better than resistence orientation in behavior activation. Results from an intervention study with psychosomatic patients. Psychiatria Danubina, 29 (2), 201-206. [English items included p. 204]
  • Rogers, J. C., Weinstein, J. M. & Figone, J. J. (1978). The Interest Check List: an empirical assessment. The American Journal of Occupational Therapy, 32 (10), 628-630.
  • Viehhauser, R. (2000). Förderung salutogener Ressourcen. Entwicklung und Evaluation eines gesundheitspsychologischen Trainingsprogramms. Regensburg: Roderer.
  • World Health Organization (WHO). (Ed). (2001). International Classification of Functioning, Disability and Health (ICF). Geneva: WHO.
 
 Gülay Karadere (20.06.2018)
 APA-Schlagworte/PSYNDEX Terms:

Classical Test Theory; Questionnaires; Rating Scales; Leisure Time; Daily Activities; Hobbies; Recreation; Activity Level; Physical Activity; Physical Fitness; Exercise; Household Management; Social Interaction; Psychotherapeutic Processes

Klassische Testtheorie; Fragebögen; Rating-Skalen; Freizeit; Alltagsaktivitäten; Hobbies; Erholung (Freizeit); Aktivitätsniveau; Körperliche Aktivität; Körperliche Leistungsfähigkeit; Fitness-Training; Haushaltsführung; Soziale Interaktion; Psychotherapeutische Prozesse

 weitere Schlagworte:

2017 (RADL-ICF-Skala); Open Access; ICF-Klassifikation; Freizeitaktivität; RADL-ICF-20-Skala; RADL-ICF-37-A-Skala; RADL-ICF-37-E-Skala; 20 Items; 37 Items; Kategorien: 1 Kulturelle Aktivitäten, 2 Hobbys, 3 Soziale Aktivitäten, 4 Körperliche Aktivitäten, 5 Häusliche Aktivitäten; Normierungs-/Untersuchungsjahr: keine Angaben; Stichprobe(n): 169
 Klassifikation:

Klinische Psychodiagnostik; Persönlichkeitstests; Persönlichkeitseigenschaften und Persönlichkeitsprozesse; Rehabilitation
Verfahren aus dem Bereich der Rehabilitation; Copingskalen und -verfahren
11.27; 11.19
 Anwendungstyp: Clinical Diagnosis, Research (Tests)
 Art der Publikation: Test; Electronic Resources (90; 94)
 Sprache: German
 Übersetzungen: English
 Land: Germany
 Publikationsjahr: 2017
 Änderungsdatum: 201806
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