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Differentieller Lebensbelastungsfragebogen

 PSYNDEX Tests-Dokument: 9007493
 

DLB - Differentieller Lebensbelastungsfragebogen (PSYNDEX Tests Review)

 

Differential Life Burden Scale /journal
Synonym(e): Differentielle Lebensbelastungs-Skala; DLB-Skala

 Linden, M. & Ritter, K.
 (2007). Differentielle Lebensbelastetheit. Psychiatrie & Psychotherapie, 3/4, 140-147.

Online im Internet: https://www.testarchiv.eu/

 Bezugsquelle: Das Verfahren ist im "Elektronischen Testarchiv" des ZPID enthalten und steht unter der Creative Commons-Lizenz "Namensnennung - Nicht-kommerziell - Keine Bearbeitung 4.0 International (CC BY-NC-ND 4.0)" ; es kann für nichtkommerzielle Forschungs- und Unterrichtszwecke kostenlos eingesetzt werden. ; URL: https://www.testarchiv.eu/ ; Stand: 1.11.2018.
 Adresse(n): o Prof. Dr. Michael Linden, Leiter der Forschungsgruppe Psychosomatische Rehabilitation, Rehabilitationszentrum Seehof der Deutschen Rentenversicherung, Lichterfelder Allee 55, D-14513 Teltow ; E-Mail: michael.linden@charite.de ; URL: http://fpr.charite.de/kontakt/ ; Stand: 12.7.2017
o Dr. Kathrin Ritter, Dipl.-Psych., Psychotherapeutin, Alt-Buckow 9-11, D-10117 Berlin ; E-Mail: kathrin.ritter@fu-berlin.de ; URL: https://www.psychologie.hu-berlin.de/de/prof/the/pta/Ausbildung/personen#ritterk ; Stand: 04.01.2018
 

Abstract

Diagnostische Zielsetzung:
Die DLB-Skala (Linden & Ritter, 2007) erlaubt sowohl die Erfassung negativer als auch positiver Emotionen. Neben Belastung wird damit ein wichtiger Aspekt der psychischen Resilienz im Sinne von Schutzfaktoren und Widerstandsfähigkeit erfasst.


Aufbau:
Die Standardversion des Fragebogens umfasst 17 Items, welche 17 Lebensbereiche erfragen: 1 Partnerschaft/Ehe, 2 Sexualität, 3 Kinder, 4 Eltern, 5 Freunde, 6 Nachbarn/Mitmenschen, 7 Kollegen, 8 Arbeit, 9 Freizeit, 10 Gesundheit, 11 Finanzen, 12 Wohnung, 13 Umwelt, 14 Heimat, 15 Politik, 16 Zukunft, 17 Lebensbilanz.


Grundlagen und Konstruktion:
Die DLB-Skala basiert auf den Prinzipien der Klassischen Testtheorie. Als Konstruktionsgrundlage wurden 17 als wichtig erachtete Lebensbereiche herangezogen und zu jedem Lebensbereich wurde ein Item gebildet. Mit Ausnahme des Items "Wohnung" wurde der Fragebogen an N = 158 nicht-klinischen Probanden psychometrisch überprüft. Die Trennschärfe liegt zwischen rit = .19-.57.


Empirische Prüfung und Gütekriterien:
Reliabilität: Der Selbstbeurteilungsbogen verfügt über eine gute interne Konsistenz (Cronbachs Alpha = .74-.77; N = 158).
Validität: Eine Berechnung der Iteminterkorrelation zeigt geringe bis mittelhohe Zusammenhänge zwischen den Items auf. Aus einer Faktorenanalyse konnten fünf Faktoren extrahiert werden: 1 Politisches Leben, 2 Weiteres soziales Netz, 3 Engeres soziales Netz, 4 Freizeit und Sexualität, 5 Heimat und Freunde.
Normierung: Es liegen Referenzwerte (M und SD) aus einer normalen und einer klinischen Stichprobe (N = 158; N = 70) vor (siehe unter "Normierung").

 

Testkonzept

 

Theoretischer Hintergrund

Strukturell negative Lebensbelastungen sind Ursache wie Folge psychischer Erkrankungen. Sie können einzelne oder mehrere Lebensbereiche betreffen und sich zu einem globalen Belastungsgrad aufsummieren. Eine Messung negativer wie positiver bereichsbezogener Gefühle kann mittels der "Differentiellen Lebensbelastungs-Skala" (DLB-Skala; Linden & Ritter, 2007) erfolgen, die für 17 wichtige Lebensbereiche (z. B. Partnerschaft, Arbeit, Wohnung) nach den Gefühlen fragt, die beim Gedanken daran erlebt werden (sehr negativ bis sehr positiv). Dies kann als eine Operationalisierung des subjektiven Belastungsempfindens bzw. Belastungsgrads angesehen werden.
 

Testaufbau

Konstruktionsgrundlage der DLB-Skala ist eine Zusammenstellung von 17 Lebensbereichen, die die wichtigen Lebensbezüge eines Menschen abbilden:
(1) Partnerschaft/Ehe,
(2) Sexualität,
(3) Kinder,
(4) Eltern,
(5) Freunde,
(6) Nachbarn/Mitmenschen,
(7) Kollegen,
(8) Arbeit,
(9) Freizeit,
(10) Gesundheit,
(11) Finanzen,
(12) Wohnung,
(13) Umwelt,
(14) Heimat,
(15) Politik,
(16) Zukunft,
(17) Lebensbilanz.
Zu jedem Lebensbereich existiert ein Item, sodass der Test insgesamt aus 17 Items besteht.
Mittels einer Faktorenanalyse (siehe unter "Validität") wurden fünf Faktoren extrahiert, die die Skalen der DLB bilden:
(1) Politisches Leben;
(2) Weiteres soziales Netz;
(3) Engeres soziales Netz;
(4) Freizeit und Sexualität;
(5) Heimat und Freunde.
Es wird ein bipolares Rating erfragt. Das ermöglicht, positive wie negative Einschätzungen abzugeben. Für jeden Lebensbereich wird vorgegeben: "Wenn ich an das Thema denke, sind meine Gefühle: (6) sehr negativ - (5) negativ - (4) leicht negativ - (3) leicht positiv - (2) positiv - (1) sehr positiv.
 

Auswertungsmodus

Bei der Auswertung erhält die Antwort "sehr positiv" den Wert 1 und die Antwort "sehr negativ" den Wert 6. Ein Vergleich der Antworten und eine Rangbildung über alle 17 Lebensbereiche erlauben eine Analyse der differentiellen Lebensbelastetheit (LB) und eine Aufsummierung der Einzelitemwerte eine Aussage zur globalen LB. Die Werte zwischen 1 und 6 lassen sich analog zu Schulnoten interpretieren: Werte von 1 bis 3 bedeuten, dass der Lebensbereich eher positiv erlebt wird, und Werte von 4 bis 6 bedeuten, dass der Lebensbereich eher negativ erlebt wird. Der Gesamtmittelwert kann dann Auskunft darüber geben, ob der Proband sich im Leben durchschnittlich als eher "belastet" oder eher "unbelastet" erlebt.
 

Auswertungshilfen

Es liegen Vergleichswerte für die Auswertung vor.
 

Auswertungszeit

Die Berechnung der differentiellen und globalen Lebensbelastetheit dauert nur wenige Minuten.
 

Itembeispiele

(1) Wenn ich an das Thema Partnerschaft/Ehe denke, sind meine Gefühle: (6) sehr negativ - (5) negativ - (4) leicht negativ - (3) leicht positiv - (2) positiv - (1) sehr positiv.
 

Alle Items

Anmerkung: In Tabelle 1 sind alle Items des Fragebogens aufgelistet.

Tabelle 1
17 Items der Differentiellen Lebensbelastungs-Skala (Linden & Ritter, 2007, S. 142-143)
----------------------------------------------------------------------- 
(1) Wenn ich an das Thema Partnerschaft/Ehe denke, sind meine Gefühle:
(2) Wenn ich an das Thema Sexualität denke, sind meine Gefühle:
(3) Wenn ich an das Thema Kinder denke, sind meine Gefühle:
(4) Wenn ich an das Thema Eltern denke, sind meine Gefühle:
(5) Wenn ich an das Thema Freunde denke, sind meine Gefühle:
(6) Wenn ich an das Thema Nachbarn/Mitmenschen denke, sind meine Gefühle:
(7) Wenn ich an das Thema Kollegen denke, sind meine Gefühle:
(8) Wenn ich an das Thema Arbeit denke, sind meine Gefühle:
(9) Wenn ich an das Thema Freizeit denke, sind meine Gefühle:
(10) Wenn ich an das Thema Gesundheit denke, sind meine Gefühle:
(11) Wenn ich an das Thema Finanzen denke, sind meine Gefühle:
(12) Wenn ich an das Thema Wohnung denke, sind meine Gefühle:
(13) Wenn ich an das Thema Umwelt denke, sind meine Gefühle:
(14) Wenn ich an das Thema Heimat denke, sind meine Gefühle:
(15) Wenn ich an das Thema Politik denke, sind meine Gefühle:
(16) Wenn ich an das Thema Zukunft denke, sind meine Gefühle:
(17) Wenn ich an das Thema Lebensbilanz denke, sind meine Gefühle:
-----------------------------------------------------------------------
Anmerkung. Die Lebensbereiche (Partnerschaft bis Lebensbilanz) sind auf dem Fragebogen fettgedruckt. Nach jedem Satz folgt (6) sehr negativ - (5) negativ - (4) leicht negativ - (3) leicht positiv - (2) positiv - (1) sehr positiv.
 

Durchführung

 

Testformen

Das Verfahren stellt ein Original dar. Es gibt keine Parallelform. Der Fragebogen ist als Kurzinstrument entwickelt.
 

Altersbereiche

Das Verfahren wurde für Erwachsene konzipiert.
 

Durchführungszeit

Für die Bearbeitung benötigt man ca. 3 Minuten.
 

Material

Als Material steht der Fragebogen als Standardversion in der 17-Item-Version zur Verfügung. Es wird ein Schreibgerät benötigt.
 

Instruktion

Der Fragebogen wird den Probanden mit folgender Instruktion vorgelegt:
"Im Folgenden finden Sie eine Auflistung wichtiger Lebensbereiche. Bitte geben Sie durch ein Kreuz an, welche der folgenden Antworten am ehesten auf Ihre Gefühle zutreffen, wenn Sie an den entsprechenden Lebensbereich denken. Bitte lassen Sie keine Zeile aus!"
 

Durchführungsvoraussetzungen

Es sind keine speziellen Durchführungsvoraussetzungen zu erfüllen.
 

Testkonstruktion

Die DLB-Skala basiert auf den Prinzipien der Klassischen Testtheorie. Als Konstruktionsgrundlage kamen 17 des von den Menschen als wichtig erachteten Lebensbereiche in Frage. Zu jedem Lebensbereich wurde ein Item generiert und bis auf das Item "Wohnung" an N = 158 nicht-klinischen Probanden psychometrisch überprüft (Linden & Ritter, 2007, S. 141, S. 144). Die Trennschärfe (rit) wird in Tabelle 2 angegeben (siehe unter "Normierung").
 

Gütekriterien

 

Objektivität

Die Objektivität kann als gegeben vorausgesetzt werden.
 

Reliabilität

Eine Übersicht über die interne Konsistenz (Cronbachs Alpha) der Items findet sich in Tabelle 2 (siehe unter "Normierung").
 

Validität

Für die Validität sprechen die niedrigen Iteminterkorrelationen, welche zeigen, dass es sinnvoll ist, nach der bereichsspezifischen Lebensbelastetheit zu fragen.
Das Ergebnis der Faktorenanalyse zeigt sinnvolle Bereichszuordnungen. Die Hauptkomponentenanalyse mit anschließender Varimax-Rotation von 16 DLB-Items (ohne das Item "Wohnung") ergab fünf Faktoren mit einer gemeinsamen Varianzaufklärung der Faktoren von R2 = .58:
(1) Items zum allgemeinen "Politischen Leben",
(2) Items zum "Weiteren sozialen Netz",
(3) Items zum "Engeren sozialen Netz",
(4) Items zu "Freizeit und Sexualität" und
(5) Items zu "Heimat und Freunde".
Die Analyse der Zusammenhänge mit soziodemographischen Variablen spricht für differentielle Antworten der Probanden.
 

Normierung

In Tabelle 2 werden Mittelwerte und Standardabweichungen für N = 158 Passagiere (53.8% weiblich) eines Regionalzugs in Berlin und Brandenburg angegeben. In Tabelle 3 werden Mittelwerte und Standardabweichungen für 70 Patienten aus einer psychosomatischen Klinik genannt.

Tabelle 2
Mittelwerte (M) und Standardabweichungen (SD), Trennschärfeindizes (rit) und Cronbachs Alpha (Alpha) für die Items der DLB-Skala (N = 158) in der 16-Item-Version (Zugstichprobe) (modifiziert nach Linden & Ritter, 2007, S. 144)
---------------------------------------------------------------------- 
Item M SD rit Alpha
----------------------------------------------------------------------
Partnerschaft/Ehe 1.77 1.18 .26 .77
Sexualitaet 2.17 1.20 .23 .77
Kinder 1.74 1.08 .19 .77
Eltern 1.99 1.10 .29 .77
Freunde 1.80 1.02 .33 .76
Nachbarn/Mitmenschen 2.54 1.02 .36 .76
Kollegen 2.69 1.02 .36 .76
Arbeit 2.77 1.39 .46 .75
Freizeit 1.58 0.78 .37 .76
Gesundheit 2.47 1.14 .46 .75
Finanzen 3.22 1.32 .49 .75
Umwelt 4.15 1.08 .35 .76
Heimat 2.20 1.07 .28 .77
Politik 4.77 1.21 .41 .76
Zukunft 2.08 1.34 .44 .75
Lebensbilanz 3.45 1.09 .57 .74
----------------------------------------------------------------------
Summenwert 40.39 8.63
----------------------------------------------------------------------
Anmerkungen. Das Alter der nicht-klinischen Stichprobe lag zwischen 20 und 65 Jahre.

Tabelle 3
Mittelwerte (M) und Standardabweichungen (SD) der Items der DLB-Skala in der 17-Item-Version (N = 70; Psychosomatik Stichprobe)
---------------------------------------- 
Item M SD
----------------------------------------
Partnerschaft/Ehe 2.60 1.61
Sexualitaet 2.56 1.26
Kinder 2.00 1.15
Eltern 3.26 1.40
Freunde 2.41 1.19
Nachbarn/Mitmenschen 2.81 0.93
Kollegen 3.21 1.28
Arbeit 4.13 1.49
Freizeit 2.82 1.20
Gesundheit 3.63 1.12
Finanzen 3.24 1.32
Wohnung 2.41 1.26
Umwelt 3.42 1.02
Heimat 2.57 1.17
Politik 4.22 1.07
Zukunft 3.70 1.26
Lebensbilanz 3.28 1.21
----------------------------------------
 

Anwendungsmöglichkeiten

Je nach Fragestellung ist es möglich, ad hoc zusätzliche Items wie z. B. einen konkreten Arbeitsplatz, einen bestimmten Verein, die Geschwister oder auch die eigene Persönlichkeit mit aufzunehmen. Die Hinzunahme weiterer Items sollte jedoch die Einfachheit des Instruments nicht beeinträchtigen.
 

Bewertung

Zusammenfassend ist die "Differentielle Lebensbelastungs-Skala" (DLB-Skala; Linden & Ritter, 2007) ein Instrument, das Belastungen wie auch Ressourcen über das Gesamtspektrum der wichtigsten Lebensbereiche abbildet. Es kann therapeutisch eingesetzt werden, um Teilhabeprobleme wie Ressourcen von Patienten auf einfache Weise zu erfassen und ermöglicht dann ggf. bereichsspezifische therapeutische Interventionen. Die Skala verfügt über eine gute interne Konsistenz und kann deswegen auch als Globalmaß der Lebensbelastung eines Menschen herangezogen werden.
 

Literatur

  • Linden, M. & Ritter, K. (2007). Differentielle Lebensbelastetheit. Psychiatrie & Psychotherapie, 3 (4), 140-147. (DOI 10.1007/s11326-007-0061-2)
 
 Autorenbeschreibung: Michael Linden & Janice Wasilewski (20.12.2017)
 APA-Schlagworte/PSYNDEX Terms:

Classical Test Theory; Questionnaires; Rating Scales; Emotional Adjustment; Stress; Resilience (Psychological); Sexuality; Marriage; Parents; Leisure Time; Health; Politics; Future; Home Environment; Neighborhoods

Klassische Testtheorie; Fragebögen; Rating-Skalen; Emotionale Bewältigung; Stress; Resilienz; Sexualität; Ehe; Eltern; Freizeit; Gesundheit; Politik; Zukunft; Häusliche Umwelt; Nachbarschaft

 weitere Schlagworte:

DLB (2007); Lebensbelastetheit; 17 Items; Lebensbereiche: 1 Partnerschaft/Ehe, 2 Sexualität, 3 Kinder, 4 Eltern, 5 Freunde, 6 Nachbarn/Mitmenschen, 7 Kollegen, 8 Arbeit, 9 Freizeit, 10 Gesundheit, 11 Finanzen, 12 Wohnung, 13 Umwelt, 14 Heimat, 15 Politik, 16 Zukunft, 17 Lebensbilanz; Normierungs-/Untersuchungsjahr: keine Angaben; Stichprobe(n): 158+70
 Klassifikation:

Klinische Psychodiagnostik; Persönlichkeitstests; Persönlichkeitseigenschaften und Persönlichkeitsprozesse
Mehrdimensionale klinische Persönlichkeitstests; Mehrdimensionale Persönlichkeitstests
11.1; 9.1
 Anwendungstyp: Clinical Diagnosis, Research (Tests)
 Art der Publikation: Test; Electronic Resources (90; 94)
 Sprache: German
 Land: Austria
 Publikationsjahr: 2007
 Änderungsdatum: 201801
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